Man mus kein Theologe sein, um zu erkennen, daß das Christentum ein kultisch-philosophisches Sammelsurium aus alten klassisch-antiken Kulten und ebenso klassisch-antiken Philosophien ist. Auch muss man kein Spezialgebiet der Kultur- oder Gesellschaftswissenschaften beherrschen, um zu erkennen, daß das Christentum vom Anbeginn an eine politische Kraft gewesen ist. Man mag jetzt in Spekulationen verfallen, ob es der Grund war, ein Konglomerat aus verschiedenen Kulten zu schaffen, um die verschiedenen Kulturen zu einen und dem kulturellen Pluralismus, aus politischem Opportunismus heraus, ein starkes Gegengewicht zu bieten. Wobei man allerdings nicht spekulieren muss, ist die Tatsache, daß die sogenannte abendländische Kultur eine starke christliche Prägung aufweist.
Doch es ist gerde die abendländische Kultur, die immer ihre Höhepunkte dann erreichte, wenn sie das Korsett der religiösen Moral hinterfragt hat. Denn in diesem Fall sind es nicht die religiösen Werte des Christentums, die unsere abendländische Kultur prägen, sondern die klassisch philosophischen Werte. Das Verharren in religiöser Starre wird den klassischen Werten unserer abendländisch fortschrittlichen Kultur nicht gerecht. Die guten und schützenswerten Aspekte unseres Wertekanons erhalten dann immer den bitteren Beigeschmack des religiösen Dogmas, welches die individuelle und innere Freiheit unterläuft, die ja zu einem der höchsten der abendländischen Werte gehört. Dies macht eine offensive Verteidigung unserer alten Werte nahezu unmöglich, da sie, statt als bereichernd, als einschränkend wahrgenommen werden. Das Fehlen eines einheitlichen Wertekanons allerdings, macht unsere Gesellschaft schwach.
Es ist kein Kampf der Kulturen, der uns derzeitig umtreibt, sondern vielmehr der Untergang unserer Kultur. Eine Einigung auf gemeinsame Werte scheint bei der Dividierung unserer Gesellschaft, die ja aus dem politischen Opportunismus heraus durchaus als nützlich erschien, kaum möglich. Dabei ist es wichtig, um die Freiheit, sowohl die persönliche, wie auch als menschlichen Wert allgemein, zu verteidigen, sich auf einen einheitlichen Wertekanon zu einigen. Nun kommt die Crux des Ganzen - Die Religion wird dies nicht leisten können, da sie sich eher als spalterisch erweist in einer pluralistisch freiheitlichen Gesellschaft, aber zur Verteidigung unserer freiheitlichen Gesellschaft ist es notwendig. Wer kann es also wie leisten?
Samstag, 22. März 2008
Chrisliche Werte und das Abendland
Eingestellt von
Encolpius
um
07:21
Labels: Gesellschaft
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