Dienstag, 30. Oktober 2007

Der Mythos Rockefeller Teil 3 - Vom Imagewechsel Anfang des 20. Jahrhunderts zur dritten Generation auf dem Weg ins 21. Jahrhundert

Anfang des 20. Jahrhunderts engagierte Rockefeller eine Art PR-Manager, der sein Bild in der Öffentlichkeit korrigieren sollte. Dazu gehörte auch die großzügige Verteilung großer Geldsummen an Stiftungen und wohltätige Zwecke.
Einen schweren Rückschlag bei dem Versuch ein positives Bild aufzubauen, erlitt der Name Rockefeller durch das sog. Ludlow-Massaker, als sich ein Streik bei der Rockefeller-Minengesellschaft Colorado Fuel & Iron Co. zu bewaffneten Kämpfen ausweitete. Der Streik begann 1914 in der Minenstadt Ludlow/Colorado, um sich das Recht zur Gewerkschaftsbildung zu erkämpfen.
Als Gegenmittel setzte der Konzern die streikenden Arbeiter (70% beteiligten sich), die überwiegend in konzerneigenen Wohnungen lebten, mitten im Winter buchstäblich auf die Straße. In einer hastig aufgebauten Zeltstadt setzten die Arbeiter den Streik fort, bis es zu ersten Schußwechseln kam.
In erbitterten Kämpfen, die auch mit Maschinengewehren ausgetragen wurden, ging den Streikenden schließlich die Munition aus und die Milizen der Mine übten Selbstjustiz. Sie schütteten Öl über die Zelte und zündeten sie an, wobei 11 Kinder und Frauen starben.
In den nächsten 10 Tagen dauerten die Kämpfe an, bis US-Präsident Wilson die US-Armee nach Colorado beorderte. Insgesamt starben bei den Kämpfen 33 Menschen.
Um seinen äußerst schlechten Ruf zu verbessern, gründete John D. Rockefeller schließlich eine Anzahl von Stiftungen, die heute noch zu den größten Stiftungen der USA zählen und die ihn heute in erster Linie als Philanthropen erscheinen lassen. Zusammen mit Andrew Carnegie gilt er als der größte amerikanische Philanthrop überhaupt.
Mit seinem Geld legte er u.a. den Grundstein für die Gründung der Uni/Chicago, mit der die Familie auch heute noch eng verbunden ist. Die treibende Kraft für die Stiftungstätigkeiten der Familie war nicht John D. Rockefeller, sondern sein Sohn John D. Rockefeller II, der seinen Vater von seinen Projekten überzeugen konnte.


John Davison Rockefeller II. (1874 - 1960) - Soziales Engagement und Wohltätigkeit



John Davison Rockefeller II. wurde am 29. Januar als fünftes Kind und einziger Sohn von John D. Rockefeller geboren. Er besuchte die Browning School in New York City und danach die Brown University. Er arbeitete für kurze Zeit in den Firmen seines Vaters. Während der Weltwirtschaftskrise unterstützte er den Bau des Rockefeller Centers und wurde dadurch einer der größten Grundstücksbesitzer in New York City. Er wurde Großaktionär der Chase National Bank, als die Bank sein Equitable Trust Unternehmen übernahm.
John D. II. war zwar Vize-Präsident der Standard Oil of New Jersey, übte aber seit 1910 (mit 36 Jahren) keine Managerfunktionen aus und widmete sich ganz der Philanthropie und der Kultur. Er machte den Namen Rockefeller zu einem Synonym für ein großzügiges Stiftungswesen, zu einer Zeit als der Name der Familie mit einem Makel belegt war. Er stiftete 537 Mio $ für wohltätige Zwecke.
Am meisten ist John D. II. für seine wohltätigen Werke bekannt. John D. Rockefeller gründete auf Betreiben seines Sohnes, John D. II.,1901 die Rockefeller Universität (damals noch als "Rockefeller Institute for Medical Research“) und 1913 die Rockefeller-Stiftung. Außerdem unterstützte John D. II. die Restauration des kolonialen Williamsburg in Virginia und schenkte den Vereinten Nationen ein Grundstück im Wert von 8,5 Mio Dollar für die Errichtung ihres Hauptsitzes in New York City.
Als überzeugter Vertreter der ökumenischen Bewegung spendete er im Laufe seines Lebens beträchtliche Summen für protestantische und baptistische Institutionen, darunter die Federal Council of Churches, Union Theological Seminary, die Cathedral of Saint John the Divine und Riverside Church.
Er hatte ein starkes Interesse am Naturschutz und kaufte Land für mehrere amerikanische National Parks, unter anderem für den Grand-Teton-Nationalpark, Acadia-Nationalpark, Great-Smoky-Mountains-Nationalpark, Yosemite-Nationalpark und Shenandoah-Nationalpark. Im Jahre 1972 wurde er postum geehrt, mit der Namensgbung des John D Rockefeller, Jr. Memorial Parkway zwischen Grand-Teton-Nationalpark und Yellowstone-Nationalpark.
John D. II. heiratete am 9. Oktober 1901 Abby Greene Aldrich (1874-1948), Tochter des mächtigen Senators Nelson W. Aldrich von Rhode Island. Sie war sehr fortschrittlich und stiftete großzügig an die verschiedensten Organisationen. Bekannt wurde sie jedoch in erster Linie als Kunstmäzenin und Förderin von Malern. Im Jahre 1929 zählte sie dann zu den Initiatoren und Mitgründern des Museum of modern Art in New York. Seitdem ist die Familie Rockefeller bis heute eng mit diesem Museum verbunden.
John D. Rockefeller II. und Abby Aldrich Rockefeller hatten 5 Söhne und 1 Tochter, die eine wichtige Rolle spielten.



Die Dritte Generation - Macht und Einfluss bis ins dritte Jahrtausend



John D. Rockefeller III (1906-1978) setzte die philanthropischen Tätigkeiten seines Vaters fort, u.a. als Präsident der Rockefeller-Stiftung.John D. III engagierte sich besonders im Bereich der weltweiten Geburtenkontrolle (Population Council) und gründete die Asia Society. In New York war er einer der treibenden Kräfte und Finanziers für das riesige Lincoln Center Projekt.

Nelson Rockefeller (1908-1979) war ein bedeutender Unternehmer und Politiker und galt als der führungsstärkste der 5 Brüder.Er leitete ab 1938 den riesigen Rockefeller Center-Komplex und gründete 1947 den IBEC-Agrarkonzern mit großen Interessen in Lateinamerika.
In der Politik schaffte es der eher liberale Republikaner nach dem einflußreichen Gouverneursposten von New York (1958- 73) bis zum US- Vizepräsidenten (1974-76). Zuvor hatte er 1960, 1964 und 1968 die Nominierung zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten verloren. Er gründete das N. Rockefeller Institute (Rockefeller Institute of Gouvernment). Wie zahlreiche Familienmitglieder war er auch Präsident des Museum of modern Art (1939-41 und 1946-53). Nach seinem Tode 1979 wurde der alte Familiensitz Pocantico für die Öffentlichkeit geöffnet und dem National Trust for Historic Preservation übergeben.

Winthrop Rockefeller (1912-1973) verließ die Metropole New York und ging nach Arkansas, wo er eine bedeutende Rolle im öffentlichen Leben spielte. Er war von 1955 bis 1964 Vorsitzender der Kommission für die industrielle Entwicklung von Arkansas und wurde 1961 Vorsitzender der Republikaner in Arkansas. Von 1967 bis 1970 war er Gouverneur von Arkansas.

Laurance Spelman Rockefeller (1910 bis 2004) investierte sein ererbtes Geld und schuf sich ein eigenes Industrieimperium. So gründete er den ITEK-Konzern, war am Aufbau der Eastern Air-Fluglinie (Dir.38-60+77-81) beteiligt und finanzierte McDonnell beim Aufbau seines Flugzeugkonzerns (DC-Flugzeuge). In den 50er Jahren zog er sich aus der Industrie weitgehend zurück und investierte in die Tourismusbranche. Mit seinem umfangreichen Vermögen setzte sich der Unternehmer vor allem für Umweltschutz, Ökologie und medizinische Forschung ein. So kaufte er mit seinem Vermögen Landflächen auf, die er zur Vergrößerung von Naturparks in den Staaten Wyoming, Kalifornien, Vermont, Maine und Hawaii stiftete. Seit Ende der 1930er Jahre war er an der Wall Street als Investor tätig.
Laurance Rockefeller verstarb im Alter von 94 Jahren in seiner New Yorker Wohnung.

David Rockefeller (*1915) ist der bedeutenste der 5 Brüder und war in den 70er Jahren einer der mächtigsten Wirtschaftsführer der Welt mit Kontakten zu den meisten wichtigen Politikern der Welt. Oft wurde er auch als Weltbankier bezeichnet. Grundlage für seine Position war die Chase Manhattan Bank, an der seine Familie beteiligt war und die er von 1960- 81 führte. In dieser Zeit stieg sie zur zeitweise größten Bank der Welt auf. Einfluß auf die Weltpolitik nahm er auch durch den Council on Foreign Relations, dessen Präsident er ab 1975 war. Dabei versammelten sich Wirtschaftsführer und Politiker aus den USA und Europa zum Meinungsaustausch. David Rockefeller ist seit längerem Mitglied der Bilderberger und zwar in dem inneren Führungskreis, der sogenannten „Advisory Group“, die u.a. für die nächsten Treffen der Bilderberger die Teilnehmerlisten erstellt (fast immer Menschen, die in der darauf folgenden Zeit politisch bedeutsam werden, u.a. Helmut Kohl 1988 ebenfalls, als in diesem Jahr „die deutsche Frage wiederaufgegriffen wurde“).