Der wohl elementarste Unterchied zwischen der bündischen Jugend und der Pfadfinderei, ist wohl der Enstehungsgeschichte beider geschuldet. Die Pfadfinderei ist wesentlich eher in einer festgefügten Ordnung, aus Pfadfindergesetz, -versprechen und Organisation, angesiedelt. Daher ist in der Pfadfinderei der Erziehungsgedanke vordergründiger, wohingegen in der bündischen Jugend der Erlebnisgedanke im Vordergrund steht. Der Unterschied der deutschen Pfadfinderei zur internationalen ist vor allem auch durch diesen Unterschied geprägt.
Der Grundstein der bündischen Jugend lag in der Entstehung des "Wandervogels" um die Jahrhundertwende. Dies war eine romantische Bewegung bürgerlicher Jugendlicher, die dem autoritären Druck der Gesellschaft, das Erlebnis der Natur vorzogen, um dort zu sich selbst zu finden und nach ihren eigenen Überzeugungen zu leben. Außerdem war es eine Suche nach Abenteuer, das heißt nach unmittelbaren Erfahrungen, im Gegensatz zum verschulten und durchorganisierten Alltag. Der Versuch den eigenen Überzeugungen gerecht zu werden wird vor allem in der "Meißner-Formel" von 1913 formuliert:
"Die Freideutsche Jugend will nach eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung, in innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben gestalten. Für diese innere Freiheit tritt sie unter allen Umständen geschlossen ein."

Man war weniger bereit sich einer Struktur unterzuordnen. Diese Bewegung war im Anfang recht spontan in der Organisation ihrer Fahrten, also Wanderungen ins Grüne. Die Horte, also die Gruppe, die gemeinsam auf Fahrt ging, war sich oft selbst genug. Der Widerspruch, auch Konflikt, Homogenität vs. Organisation, lebt sicher bis heute in vielen Bünden fort. So entstanden dann die verschiedenen Wandervogelbünde. Diese Tendenz zu immer neuen Spaltungen ("bündischer Spaltpilz") findet man bis heute. Gleichzeitig entstand unabhängig vom Wandervogel, dafür um so näher am Staat, auch in Deutschland die Pfadfinderei. Sie entwickelte sich sehr nah am britischen Vorbild. Der erste Weltkrieg führte zu einer Entfremdung zwischen Pfadfinderei und Staat und dadurch zu einem Zusammenrücken der Pfadfinder und Wandervögel. Gegenseitige Einflüsse wurden sichtbar. Die Wandervögel übernahmen das Halstuch der Pfadfinder und die Fahnen. Die Pfadfinder übernahmen die jugendlich bestimmte Führungsstruktur von den Wandervögeln und auch eine Menge Romantik. Charismatische Führungspersönlichkeiten wurden wichtiger. Die Formen und Angebote waren so attraktiv, daß viele deutsche Jugendverbände sie ganz oder teilweise übernahmen. So entstanden neben den Pfadfinder- und Wandervogelbünden viele neue Bünde.
Aus einem Zusammenschluss von Pfadfinder- und Wandervogelbünden entstand die "Deutsche Freischar", von dieser spaltete sich 1929 die "DeutscheJungenschaft vom 1.11.1929", "dj 1.11.", ab. Ihr äußerst charismatischer Führer Eberhard Koebel, besser bekannt unter den Namen "Tusk", führte einige Elemente ein, die den Begriff "bündisch" mitdefinierten. Er lebte ein Gefühl von Abenteuer und authentischem Leben durch Soldatenromantik und die Romantik ferner und fremder Länder vor. Er schrieb und redete über todesverachtende Samurai, Kosaken etc. Den anderen Bünden warf er Kompromiß und Bürgerlichkeit vor. Er führte die Kohte, die Jurte und die Jungeschaftsjacke, die "Juja", in die Jugendbewegung ein. Auch das Liedgut der Bünde ist von ihm geprägt, durch viele Kosakenlieder, Seefahrerlieder und andere wilde Lieder, die auf "Tusk" zurückzuführen sind.
Durch die Ablehnung der bürgerlichen Konventionen und des Estabishments bleibt eine gewisse Neigung zum politischen Radikalismus nicht aus. Doch muss man daneben erwähnen, daß charismatische Jugendführer der Nationalsozialisten es durchaus verstanden, die Jugend für sich zu gewinnen, was nicht zuletzt Ausdruck darin fand, daß man der Jugendbewegung staatstragenden Charakter verlieh und der bündische Grundsatz der Selbstführung der Jugend vom Reichsjugendführer Baldur von Schirach in die Hitlerjugend integriert wurde:"Jugend muss durch Jugend geführt werden." (Baldur von Schirach)
Aber auf diesem Nährboden gedieh auch der Widerstand, wie am Beispiel des Hans Scholl ("dj 1.11.") zu erkennen ist. Denn letztlich ist der staatstragende Charakter auch nur Mitwirkung an gesellschaftlicher Unterdrückung. Und wer soll der Jugend einen Vorwurf machen, hat doch das gesamte Volk, inklusive der Eliten und späteren Verfolgten, diese Entwicklungen mitgetragen. Daraus jetzt abzuleiten, der Führungsgrundsatz wäre falsch und bevormundende Führung besser ist genauso falsch, wie die Entwicklungen, die dadurch begründet werden können.

Heute haben wir ein Spektrum von rein bündischen Verbänden, bis zu den Pfadfindern, wo Spannungen zwischen bündischen Traditionen und denen der Pfadfinderei nicht ausbleiben. Da das in der Meißner Formel ausgedrückte Ideal individueller Freiheit, Wahrhaftigkeit und Verantwortung, mir wichtiger ist, als das Einfügen in eine Organisation, um mit Breitenwirkung einen gesellschaftlichen Erziehungsauftrag wahrzunehmen, stehe ich zur bündsichen Tradition und zur Selbstführung der Jugend. Denn warum einen Kompromiß eingehen, wenn man auch ohne zum Ziel kommt? Ich habe sehr junge Jugendführer gesehen, die so manchen Offizier und Manager in Sachen Führungsqualitäten in die Tasche stecken und Jungen, die durch ihren Erlebnishorizont, über mehr soziale Kompetenz und Lebenserfahrung verfügen, als mancher Erwachsene.
Es lebe die innere Freiheit!

